Ventilschaftdichtungen
Ventilschaftdichtungen
Samstag, 5. Juni 2010
Am Rauch bei Lastwechsel, vor allem aber am Verbrauch merkt man es deutlich: die Ventilschaftdichtungen müssen erneuert werden. Es ist kein Hexenwerk, aber der Kopf muss halt runter. Es gibt findige Methoden, wie man es ohne Kopfabnahme schafft, die Reichen von Luft einblasen bis Kondome im Zylinder. Alles nett, manches wirr, einiges gefährlich. Am entspanntesten geht es auf die großväterliche mit Kopfabnahme. Da Christian ohnehin gerade dabei ist, will ich es hier bloggen.
Es ist der Job für einen gemütlichen Tag, an dem drei Spezialwerkzeuge zum Einsatz kommen: der Drehmomentenschlüssel, die Ventilfederzange und der Läpper.
Folgende Teile sollte man haben: Ventilschaftdichtungen und für alle Fälle eine neue Kopfdichtung, sowie Kühlwasser und Kühlwasserzusatz. Ängstliche nehmen auch einen neuen Satz Kopfschrauben.
Es beginnt damit den Kopf erst freizulegen, dann abzunehmen. Alle Teile, vor allem die Kopfschrauben werden geordnet abgelegt. Christian ist ordentlich genug es einfach sortiert abzulegen. Wer etwas chaotischer ist wird die Methode die Schrauben und Ventile in eine beschriftete Pappe zu stecken bevorzugen. Es ist für den Motor sehr wichtig, dass die Teile wieder dorthin kommen, woher sie stammen. Nach Dekaden des Einlaufens sollte man unter keinen Umständen annehmen, dass es den Ventilen egal ist, wohin ist kommen, solange es die funktionsgleiche Position ist. Dem ist definitiv nicht so.

Als nächstes wird die 20 Euro Ventilfederzange gepimpt. Deren schwächster und mit Abstand lommeligster Punkt ist der Drehknebel. Das zarte Teilchen in welchem sich die Antwort auf den schreiend günstigen Preis manifestiert, wird schon vom stärkeren Hinschauen krumm, gar anfassen mag man es gar nicht. Da kommt erstmal ein ordentlich dimensionierter Schraubenkopf drauf.




Der Block wird nun auf die Seite gelegt und die Federzange so angesetzt, dass Federkopf und Federteller unter Spannung sitzen.


Bei dem Billigtool hakt der Pressteller auf dem Ventilteller etwas, sodass, dieser sich bei den ersten Versuchen immer runterdreht. Ein paar Versuche später ist er eingelaufen und bleibt, wo er sein soll. Die ventilfedern sind wie teeenager – Unter zunehmenden Druck klemmen die erstmal. Anders als bei Pubertierenden löst man die Verspannung in diesem Fall mit einem leichten Hammerschlag auf den Ventilschaft löst, will man nicht das Baumarktool zerlegen.

Nun kann man die Federklemmen, zwei kleine konische halbrunde Schalen rausnehmen und die Federn sind frei zum abnehmen. Jetzt zeigt sich, dass die Ventilschaftdichtungen in der Tat völlig fertig sind: Aus Gummi sind die normalerweise schön weich und knautschig. Diese hier sind hart und nur mit der Rohrzange abnehmbar. Und folgerichtig zersplittert das ehedem flexible Gummikäppchen dabei.

Die Ventile, Ventilschäfte und Kammern werden nun gründlich gereinigt. In diesem Fall wurden die völlig verkokten Ventile mit der Drahthexe gereinigt und beim Wiedereinsetzen mit Läpper und Schleifpaste von Hand eingeschliffen. Wie immer beim Motorenbasteln: Sauberkeit ist essentiell und Gewalt kein Lösung. Danach alles wieder retour und Kopf in den Motor - fertig.


